Händigkeit
Unser Gehirn besteht aus zwei Gehirnhälften, verbunden mit einem Balken, dem Corpus Callosum. Es besteht eine Überkreuzsteuerung: die dominante Hand wird von der gegenüberliegenden Gehirnhälfte kontrolliert und gesteuert.
Die rechte Hirnhemisphäre ist somit überwiegend für die motorische und sensorische Aktivität, also für die Bewegung und Spüren der linken Körperseite und somit der linken Hand zuständig. Dies entdeckten bereits die alten Griechen, wie bei Hippokrates zu lesen ist.
Die Händigkeit eines Menschen ist durch die motorische Dominanz einer der beiden Hirnhemisphären festgelegt und kann somit nicht wechseln.
Händigkeit ist die deutlichste Form der menschlichen Lateralität. Weitere Formen der Links-Rechts-Unterschiede im Gehirn finden sich auf vielen anderen Ebenen, wie Füßigkeit (welcher Fuß wird für motorische Aufgaben bevorzugt), Äugigkeit (welches Auge wird z. B. beim Schauen durch ein Fernrohr präferiert), Ohrigkeit (mit welchem Ohr lauscht man an einer Tür). Es ist charakteristisch für unser Gehirn, dass für bestimmte Funktionen eine bestimmte Gehirnhälfte dominiert.
Aus Studien wissen wir, dass die Händigkeit zu ca. 25 % vererbt wird. Ferner sind Umwelteinflüsse während der Schwangerschaft (hormonell), bei der Geburt (Frühgeburten sind zweifach höher wahrscheinlich linkshändig) und nach der Geburt (durch einseitiges Tragen) für eine bestimmte Händigkeit verantwortlich.
Nach aktuellen Studienergebnissen sind etwa 10% der Weltbevölkerung linkshändig. Allerdings ist die Verteilung weltweit sehr unterschiedlich, so gibt es in China kaum Linkshänder, in Afrika 8%, Asien 7%, Südamerika 4%. In Nordamerika, Westeuropa und Australien sind es mehr als 10%. Die meisten Studien erheben ihre Daten anhand der Selbsteinschätzung (mit welcher Hand schreiben Sie?) der Probanden. Die angeborene Handdominanz wird kaum oder gar nicht zugrunde gelegt.
Das Verständnis für Händigkeit wächst in der modernen Bevölkerung, die Abschaffung von offiziellen Umschulungen schaffte dafür eine Basis.
Seit dem Ende der 1990er Jahre steigt der Anteil von Linksschreibern bei jüngeren Altersgruppen im Vergleich zu älteren:
60 bis 91-Jährige: 1%
20 bis 59-Jährige: 8%
4 bis 19-Jährige: 12%.
Auch im Tierreich gibt es Präferenzen im Benutzen von Gliedmaßen. So tritt Linkspfotigkeit bei Hunden und Katzen drei- bis viermal häufiger auf als bei den Menschen.
Folgen der Umschulung
omit darf keine Umschulung stattfinden, dies wäre ein massiver Eingriff in die Gehirntätigkeit. Bei der Umschulung ändert sich die Hirnhemisphärendomimanz nicht. Sie bleibt in der angeborenen HH. So werden beim Schreiben (der komplextesten Tätigkeit) weitere Areale in der nichtdominanten HH aktiv und es findet ein ständiger Austausch zwischen den HH über den Balken statt. Dies führt zur massiven Überlastung des Gehirns, da viel mehr Energie benötigt wird. Die Folgen sind weitreichend: von Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Lese- und Rechenproblemen bis hin psychosomatischen Beschwerden, Minderwertigkeitsgefühlen, welche auch oft im Erwachsenenalter bestehen.
Folgen von Händigkeitsumschulungen können sehr vielfältig sein:
- Gedächtnisstörungen
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Lese-Rechtschreibschwäche
- Sprachauffälligkeiten (stottern)
- feinmotorische Probleme (verkrampfte Stifthaltung, Mal- und Bastelunlust)
- Rechts-Links-Unsicherheiten (Buchstaben- und Zahlendreher)
- Minderwertigkeitsprobleme
- Verhaltensprobleme (Symptome, die häufig mit ADS/ADHS verwechselt werden)
- Einnässen, Nägelkauen, Zurückgezogenheit . . .
Abweichung von der natürlichen Händigkeit
Wird ein Kind in der Freiheit seine natürliche Händigkeit zu leben beschränkt, spricht man von einer Umschulung. In diesem Zusammenhang kann es zu einer messbaren Überlastungssituation im Gehirn kommen - mit ganz individuellen Folgen:
Während ein Kind vorwiegend Verhaltensauffälligkeiten zeigt, wie
- unkontrollierte Wutausbrüche
- häufiges Weinen
- depressive Verstimmungen
- Selbstzweifel
- ADS / ADHS ähnliche Verhaltensweisen
- Ängste
- Schlafstörungen
- gestörtes Essverhalten (unruhig am Tisch, häufiges Essen mit den Fingern, sehr mäkelig, wahlloses Stopfen)
Kann ein anderes Kind körperliche Symptome entwickeln, wie
- Stottern, Augenzwinkern, Hüsteln
- Bettnässen
- Nägelkauen
- häufige Kopfschmerzen
- häufige Bauchschmerzen
- Beeinträchtigungen der Muskulatur durch Verkrampfungen
- motorisches Ungeschick
- Adipositas oder Magersucht als Folge des gestörten Essverhaltens
- schlechte Handschrift
- Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten
Dabei können Folgen einzeln oder in jeder möglichen Kombination in unterschiedlicher Ausprägung auftreten. Immer auch abhängig davon, ob sich das Kind der Situation entziehen kann (Basteln oder Alternativangebot) oder einer Situation immer wieder ausgesetzt ist (Mitschreiben über die gesamte Schulstunde) kommen Folgen dieser Gehirnüberlastung früher oder später zum Vorschein.
Für viele alltäglich doch hier explizit hervorgehoben: Das handschriftliche Schreiben stellt eine motorische Königsdisziplin dar. Kann diese nicht mit der natürlichen, stärkeren Hand ausgeführt werden, führt dies in der späten Kindergarten- bzw. spätestens in der Schulzeit meist zwangsläufig zu Beeinträchtigungen und die Kinder können in Folge dessen ihr natürliches Potential nicht entfalten.
Diese Beeinträchtigungen begleiten viele Kinder bis ins Erwachsenenalter, oft in Form von stressbedingten Krankheitsbildern oder psychosomatischen Störungen, wie
- Essstörungen (Adipositas, Magersucht, Binge Eating, Bulimie)
- Burn-out
- Depressive Verstimmungen
- Gedächtnisstörungen
- Minderwertigkeitskomplexe, Selbstzweifel
- Überehrgeiz, extremer Perfektionismus
- leichte Reizbarkeit, Wutanfälle